Am Montag, dem 02. Februar 2026 feierten im bereits 1153 gegründeten Stift Geras unter der Leitung S. Em. Christoph Kardinal Schönborn OP viele geladene Gläubige die Benediktion des zum 58. Abt des Prämonstratenserstiftes gewählten vormaligen Pfarrvikars der Pfarre Gatterhölzl, H. Norbert Mario Lesovský.
Die sakrale Feier fand in der dem Kloster angeschlossenen Stiftskirche statt, einer romanischen Pfeilerbasilika mit gotischen Elementen. Das Gotteshaus hatte trotz Platzreservierung Mühe die große Schar von Klerikern höchsten Ranges aus ganz Österreich und die noch größere Gruppe der diese Benediktion verfolgenden Christen zu fassen.
Dem Einzug der Geistlichkeit zu Händels Marsch aus dem Oratorium „Judas Maccabeus“ folgte nach der liturgischen Eröffnung die Begrüßung und Vorstellung des Erwählten. Ein Gloria, das Tagesgebet und zwei durch Bachs Choralvorspiel „O Herre, durch Dein göttliches Wort“ unterbrochene Lesungen später, gestärkt durch das Hl. Geist-Lied, gab der neue Abt sein Versprechen ab.
Nach einer Litanei und einem Segensgebet wurden dem 58. Abt von Geras die Ordensregeln, sein Ring, seine Mitra und sein Stab übergeben. Einem Friedensgruß mit den Geraser Mitbrüdern, allen anwesenden Äbten und Pröbsten (mehr als 30) folgte das Glaubensbekenntnis, ein Sanctus und das „Vater unser“ – in Vorbereitung der Kommunion.
Ein Danksagungslied, das Schlussgebet, und Grußworte S. Em. Kardinal Schönborn bereiteten die Dankesworten des neuen Abtes vor. In ungewohnt emotionaler Form bedankte er sich nun bei all jenen, die er im Vorfeld um Rat, Stütze und Zuspruch aufgesucht hatte. Einem aufmerksamen Zuhörer entgingen manche, in Nebensätzen eingeflochtene, Bemerkungen nicht. Sie zeugten ganz leise von seinem langen Ringen um das Amt und manchen Widerständen – auch durch seine eigene Person – die er in Worte fasste, dabei jedoch nie anklagend wirkte, aber seinen eigenen Zweifeln Raum gab.
Das Gedränge der Gläubigen während des Auszugs der Geistlichkeit hatte leider Auswirkungen auf die Qualität der dazu geknipsten Bilder.
Anschließend an die Benediktion sammelten sich nochmals alle Teilnehmer des Tages im prächtigen Marmorsaal, den ein Deckenfresko Paul Trogers schmückt. Viele helfende Hände hatten in der Klosterküche eine einfache, aber üppige Agape vorbereitet, die im – hellerleuchteten Saal einerseits den Blick auf die -4 Grad kalte Winterlandschaft mit durchgehender Schneedecke gestattete – andererseits den Teilnehmern erst jetzt richtig wohlig warmes Wohlbefinden schenkte, die heiße Gulaschsuppe inbegriffen.
Die kleine Delegation Grals, Bbr Roland und Phx Cicero, überbrachten Abt Norbert im Marmorsaal die beste Wünsche der Gral, für die sich Abt Norbert herzlich freute und bedankte, uns abschließend gute Heimfahrt und zum Jubelfest im Sommer Gral Alles Gute und viel Erfolg wünschte. Fr. Roswitha de Martin, Witwe nach unserem Bbr Leonardo verstärkte unsere kleine Abordnung bei diesem für das Stift Geras so wichtigen Ereignis.
P.S.:
Am 22. Juni 1542 verlieh König Ferdinand I. dem Stift Geras ein Wappen, das ein Rot-Grün-geschachtes Schild zeigt. Abt Norbert hat diesem Schild in seinem persönlichen Wappen „eine erniedrigte, eingeschweifte, goldene Spitze; darin ein grüner Ölzweig mit roten Früchten“ hinzugefügt (wie es ein Heraldiker ausdrückt). Der Olivenzweig verweist auf seinen Namenspatron, den Stifter der Prämonstratenser-Chorherren: der Heilige Norbert wird mit diesem Attribut als Friedensstifter gewürdigt. Am Pilgerhut mit den beiderseits sechs Quasten – alles in Weiß – ist der Wappenträger als Prälat im Prämonstratenser-Orden zu erkennen; der Hirtenstab mit angehängtem Tuch („Panisellus“) weist ihn als Abt aus.
Der Wahlspruch „IN TE CONFIDO – AUF DICH VERTRAUE ICH“ ist dem Psalm 25 (24), 2ab entnommen, wo es heißt:
„Deus meus, in te confido; non erubescam. – Mein Gott, auf Dich vertraue ich. Lass mich nicht zuschanden werden.“
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